Wer nach Franzensbad kommt, erwartet Kurtradition. Was man momentan bekommt, ist jedoch eher eine Lektion in kollektiver Tiefenentspannung – zumindest auf Managementebene. Nach drei Wochen vor Ort ziehe ich Bilanz: Viele Hotels sind für Gäste teilweise geschlossen, aber das Marketing? Das befindet sich im permanenten „Schlafmodus“.
Ein Date mit dem Hoteldirektor? Versuchen Sie es im nächsten Leben.
Mein Plan war simpel: Hotels besichtigen, über Marktentwicklungen plaudern, ein bisschen Fachsimpeln. Die Realität? Ein Spiessrutenlauf gegen allgemeines Desinteresse. An den Rezeptionen erntete ich oft nur müde Blicke; Termine mit der Teppichetage schienen schwieriger zu arrangieren als eine Privataudienz beim Papst.
Die rühmliche Ausnahme: Die Direktorin vom Hotel Klima. Sie opferte tatsächlich 20 Minuten ihrer kostbaren Zeit. Ich hatte den Termin per E-Mail fixiert, jedoch vorab keine Antwort erhalten – man lässt sich eben gern überraschen. Meinem Projekt gegenüber war das Interesse zwar… sagen wir… überschaubar, aber immerhin erfuhr ich, dass Schweizer Exilgäste die Stellung halten. Ein kleiner Lichtblick im kommunikativen Funkloch.
Die 15-Minuten-Hektik im „Drei Lilien“
Dann wären da noch die offiziellen Besichtigungen. Durch das geschichtsträchtige Hotel Drei Lilien wurde ich in stolzen 15 Minuten durchgeschleust. Küche, Speisesaal, Lounge, ein Superior-Zimmer und die Präsidentensuite – zack, fertig, danke, gehen Sie bitte weiter.
Ein gemütlicher Ausklang im Café? Fehlanzeige, das Café war dicht. Und selbst wenn es offen gewesen wäre, hätte es wohl nichts gegeben. So werden Gäste verwöhnt!
Zimmer-Roulette: Habsburger Charme vs. Moderne
Mein eigenes Zimmer? Ein Traum für Fans des Habsburger Stils – viel Geschichte, wenig Aufregung. Man muss fair bleiben: Es wird immer wieder renoviert. Die Zimmer sind teilweise wirklich schön, und der Gast kann im Grunde zufrieden sein.
Allerdings gleicht die Buchung einem Glücksspiel: Im Hotel Adler gibt es wunderbare Appartements, und im Hotel Belvedere neu renovierte Zimmer, die jene im Pawlik locker in die Tasche stecken. Welches Zimmer man am Ende bekommt? Das scheint eine Frage des Schicksals und des Preises zu sein. Je mehr man bezahlt, umso besser die Auskunft – doch ist das wirklich so?
Fazit: Schau mir in die Augen, Website
Im Hotel Klima konnte ich leider gar Zimmer sehen – man entschuldigte sich damit, sie seien gerade „nicht repräsentativ“. Ein herrlich ehrliches Understatement!
Was bleibt dem interessierten Gast also übrig? Vertrauen Sie den persönlichen Gespräch mit mir und meinen Engagement. Wir durchstöbern gemeinsam die Hotel-Website. Und wenn wir buchen: Führen wir ein langes, sehr langes Telefonat. Vielleicht wacht am anderen Ende der Leitung ja gerade jemand aus dem Marketing-Schlaf auf.
Kleiner Trost zum Schluss: Das Hotel Klima besticht immerhin durch seinen authentischen Egerländer Stil. Hier ein paar Bilder – ich hätte gerne mehr von innen gesehen.








