Legendäre Gasspritzen in Franzensbad

Legendäre Gasspritzen in Franzensbad

Unter den Kurgästen in Franzensbad sind sie fast schon legendär: die „Gasspritzen“. Auch wenn der Gedanke an eine Spritze erst einmal Überwindung kostet, gehört diese Anwendung zu den effektivsten und am schnellsten wirkenden Methoden der gesamten Kur. Dabei wird das natürliche, vulkanische Heilgas der Franzensbader Quellen direkt dort eingesetzt, wo der Schmerz sitzt.

Was genau passiert bei der Behandlung?

Bei den Quellgasinjektionen wird medizinisches, natürliches Kohlendioxid (CO2) mit einer sehr feinen Nadel direkt unter die Haut (subkutan) in das Bindegewebe oder die Muskulatur gespritzt.

Der Ablauf:

  • Der Arzt wählt spezifische Punkte aus – meistens sind dies Akupunkturpunkte, Reflexzonen oder sogenannte Triggerpunkte (Schmerzzentren) entlang der Wirbelsäule oder an den Gelenken.
  • Mit einer hauchdünnen Nadel wird eine kleine Menge des Gases von der Therapeutin injiziert.
  • Man spürt ein kurzes Pieksen und danach oft ein leichtes Druckgefühl oder ein „Knistern“ unter der Haut, wenn sich das Gas verteilt.

Warum CO2 und nicht Sauerstoff? (Der Bohr-Effekt)

Es klingt paradox, aber um die Sauerstoffversorgung im Muskel zu verbessern, spritzt man Kohlendioxid. Das Geheimnis dahinter ist der sogenannte Bohr-Effekt. Sobald das $CO_2$ ins Gewebe gelangt, weiten sich die Blutgefäße schlagartig, um das Gas abzutransportieren.

Das Blut gibt an Stellen mit hoher CO2 Konzentration den gebundenen Sauerstoff viel leichter und in größeren Mengen ab. Das Gewebe wird von innen heraus mit echtem, körpereigenem Sauerstoff versorgt. Die Durchblutung wird an genau dieser Stelle massiv gesteigert.


Die Wirkung: Schmerzlinderung und Lockerung

Die Injektionen verfolgen drei Hauptziele, die oft schon kurz nach der ersten Anwendung spürbar sind:

  • Schmerzreduktion: Das Gas wirkt direkt auf die Schmerzrezeptoren und dämpft die Schmerzweiterleitung.
  • Muskelentspannung: Durch die verbesserte Durchblutung und Wärme lösen sich hartnäckige Verspannungen (Myogelosen) in der Tiefe der Muskulatur.
  • Entzündungshemmung: Der beschleunigte Stoffwechsel hilft dem Körper, Entzündungsstoffe schneller abzutransportieren.

Haupteinsatzgebiete in der Kur

In den Franzensbader Kurhäusern werden die Gasspritzen vor allem bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

Chronische Rückenschmerzen, Hexenschuss oder Nackensteifigkeit, Arthrose in Knien, Hüften oder Schultern.

Bei Kopfschmerzen & Migräne werden die Punkte oft im Nacken- und Schulterbereich gesetzt. Es hilft auch bei Durchblutungsstörungen mit punktuellen Verbesserung der Mikrozirkulation.

Die Behandlung dauert meist nur wenige Minuten. Nach der Injektion bildet sich manchmal eine kleine, harmlose Schwellung, die sich wie eine Luftblase anfühlt. Das Gas wird jedoch innerhalb kürzester Zeit vom Körper aufgenommen und über die Lunge ganz natürlich abgeatmet. Die Wirkung – eine tiefgreifende Entspannung der behandelten Muskulatur – hält oft über Tage an.

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