In der traditionsreichen Kurstadt Franzensbad steht die Heilkraft der Natur an erster Stelle. Neben Moor und Gasquellen gibt es eine Anwendung, die besonders bei Beschwerden des Bewegungsapparates und für strapazierte Haut als „Geheimtipp“ gilt: die Paraffinpackung für die Hände.
Diese Behandlung kombiniert medizinische Wirksamkeit mit einem intensiven Wellness-Gefühl und ist eine der beliebtesten Ergänzungen im Kurplan.
Was genau ist eine Paraffinpackung?
Bei dieser Anwendung werden die Hände in ein Bad aus flüssigem, medizinischem Paraffinwachs getaucht. Das Wachs ist auf eine angenehme Temperatur (meist zwischen 50 °C und 55 °C) erwärmt. Da Paraffin eine extrem hohe Wärmespeicherkapazität hat, gibt es die Energie nur sehr langsam und gleichmäßig an das Gewebe ab.
Der Ablauf:
- Die Hände werden desinfiziert und nacheinander dreimal kurz in das warme Wachs getaucht.
- Es bildet sich sofort ein dicker, warmer Wachsüberzug (der „Handschuh“).
- Zur Isolierung werden die Hände in Plastikfolie und anschließend in Frottee-Handschuhe gehüllt.
- Nach einer Ruhezeit von etwa 15 Minuten wird das nun fest gewordene Wachs von den Händen einfach entfernt.
Die doppelte Wirkung: Medizin & Kosmetik
Die Paraffinpackung entfaltet ihre Wirkung auf zwei Ebenen, was sie so einzigartig macht:
1. Die therapeutische Tiefenwärme
Im Gegensatz zu einer einfachen Wärmflasche umschließt das Wachs die Hand lückenlos. Die Wärme dringt tief in die Gelenke, Sehnen und Muskeln ein. Die Durchblutung wird stark angeregt, was den Abtransport von Entzündungsstoffen fördert. Steife Gelenke werden „geschmiert“ und die Elastizität des Bindegewebes nimmt zu.
2. Der Okklusionseffekt (Sauna-Effekt)
Da das Wachs die Haut luftdicht abschließt, kann die körpereigene Feuchtigkeit nicht nach außen dringen. Die Feuchtigkeit wird zurück in die tieferen Hautschichten gedrückt. Die Poren öffnen sich weit, wodurch die Haut nach der Behandlung extrem aufnahmefähig für Wirkstoffe ist. Das Ergebnis sind seidig glatte, regenerierte Hände.
Für wen ist die Behandlung geeignet?
Besonders in Franzensbad wird die Paraffinpackung häufig Patienten mit folgenden Indikationen empfohlen:
- Gelenkbeschwerden: Arthrose (insbesondere Fingergelenksarthrose), rheumatoide Arthritis im chronischen Stadium oder Gicht.
- Überlastung: Steifheitsgefühle nach intensiver manueller Arbeit oder bei „Maus-Arm“-Symptomatik.
- Hautprobleme: Extrem trockene, rissige Haut oder spröde Nagelhaut.
- Durchblutungsstörungen: Kalte Hände werden langanhaltend und tiefgreifend erwärmt.
Hinweis: Bei akuten Entzündungen, offenen Wunden oder Hautinfektionen sollte auf die Anwendung verzichtet werden.
Die Paraffinpackung für die Hände ist weit mehr als eine kosmetische Spielerei. In Franzensbad wird sie gezielt eingesetzt, um die Fingerfertigkeit zu erhalten und Schmerzen sanft zu lindern. Ich habe früher nur mit Schmerzen Gitarre spielen können, das ist deutlich besser geworden.
Das Gefühl von „neuen Händen“ nach nur einer Anwendung macht sie zu einem Highlight jedes Kuraufenthalts. Gleichzeitig ist der Aufenthalt auch eine Art Meditation. Die Hände müssen ruhig gehalten werden und generell schweigen die Leute. Dabei versinken die Gedanken.
