Die Geschichte von Franzensbad (Františkovy Lázně) nach 1989 ist ein Lehrbeispiel für die Transformation eines staatlichen Kurwesens in eine marktwirtschaftliche Struktur. Die Stadt wirkt optisch sehr schön, doch hinter den Kulissen brodelt es. Vielleicht ist das auch ein Grund meiner Ablehnung und der schlechten Laune der Einheimischen.
Die Transformation: Vom Staatsbetrieb zur Franzensbad AG
Nach der Samtigen Revolution wurde der riesige staatliche Komplex (der fast die gesamte Stadt umfasste) privatisiert.
- 1991/1992: Gründung der Lázně Františkovy Lázně a.s. (Franzensbad AG). Es war eine der ersten großen Privatisierungen im tschechischen Kurwesen.
- Investitionsschub: Die AG investierte massiv in die Sanierung historischer Bausubstanz (z. B. Hotels Pawlik, Imperial, Savoy).
- Aquaforum (2005): Mit dem Bau des größten Wellness-Aquaparks in einem tschechischen Kurort wurde der Versuch unternommen, die Zielgruppe von reinen Kurgästen auf Wellness-Touristen und Familien zu erweitern.
Wirtschaftliche Eckdaten (Stand 2024/2025)
Ob die Privatisierung «gelungen» ist, lässt sich anhand der betriebswirtschaftlichen Stabilität und der regionalen Wertschöpfung ablesen.
Beschäftigte und Löhne
Die Franzensbad AG bleibt mit ca. 500 Mitarbeitern der mit Abstand größte Arbeitgeber der Stadt, gefolgt von privaten Gruppen wie Monti Spa. Als Lohn habe ich einen Eckwert von CZK 40’000,- ermittelt. Die Anzahl Betten schätze ich auf ca. 3’000,-
Analyse der Wertschöpfung:
Finanziell gilt die Privatisierung als Erfolg. Die Franzensbad AG erzielt stabile Renditen, es wird von 10-15% den Investoren bezahlt. Die Wertschöpfung für die Stadt ist hoch, da die Kurtaxen und die Instandhaltung der Parks durch die Kurgesellschaften (in Kooperation mit der Stadt) das Stadtbild sichern, was wiederum den Immobilienwert steigert.
Jedoch sehe ich demokratische Lücken, die Politik kann durch die Investoren bestimmt werden, weil es ausser dem Tourismus keine Einnahmen gibt, abgesehen von den Parkkrallen der Polizei.
Analyse: Der Erfolg und die «Wettbewerbsfalle»
Der wirtschaftliche Druck nimmt zu. Der Freistaat Bayern hat in neue deutsche Thermalbäder, wie Weißenstadt (Siebenquell) Neualbenreuth ( Sybillenbad) und Bad Alexandersbad (Alexbad) intensiv als Strukturförderung investiert. Diese Bäder sind moderner, zudem fühlen sich die Deutschen dort wegen der Sprache oft besser aufgehoben.
Gleichzeitig existieren schon lange die sächsischen Staatsbäder Bad Elster und Bad Brambach, die preislich attraktiv am Markt operieren.
Das Problem der Besucherstruktur
Früher kamen Deutsche primär gerne für «Kassenkuren». Durch Reformen im deutschen Gesundheitswesen und gestiegene Preise in Tschechien (hohe Inflation 2022–2024) ist der Kostenvorteil geschrumpft. Und auch das verfügbare Einkommen bei Pensonären in Deutschand schmilzt dahin. Die Gruppe mit geringer Rente fällt weg.
Weißenstadt bietet modernste «Lifestyle-Wellness», während Franzensbad oft noch im «klassischen Kur-Image» verhaftet bleibt. Die Anfahrt für Franken oder Oberpfälzer nach Weißenstadt ist kürzer, und die Sprachbarriere entfällt.
Mangelnde internationale Ausstrahlung
Franzensbad hat 2021 den UNESCO-Welterbe-Status («Great Spas of Europe») erhalten. Dies war eine riesige Chance, die jedoch marketingtechnisch bisher kaum über den deutsch-tschechischen Sprachraum hinaus genutzt wurde.
Die Werbung konzentriert sich auf Tschechien und Deutschland.. Während man in Karlsbad (Karlovy Vary) auf ein internationales (früher russisches, jetzt arabisches/amerikanisches) Publikum setzt, wirkt Franzensbad oft wie eine Relikt an vergangene Zeiten. Bleiben die Deutschen aus, fehlt ein Plan B. Meine Idee Gäste aus der Schweiz zu gewinnen, findet kaum Beachtung.
Fazit: Ist die Privatisierung gelungen?
Ja, aber mit Verfallsdatum, wenn keine Umkehr erfolgt.
Pro: Die bauliche Substanz wurde gerettet. Franzensbad ist heute eine der optisch am besten erhaltenen Kurstädte Europas. Die Überführung in die AG hat den Betrieb professionalisiert und rentabel gemacht.
Contra: Man hat die Abhängigkeit von einer einzigen Nationalität (Deutschland) und einem alternden Gästesegment nicht rechtzeitig diversifiziert. Die «Konkurrenz vor der Haustür» in Bayern hat technologisch und konzeptionell überholt.
Kritischer Punkt: Der Personalmangel. Da die Löhne in Franzensbad trotz Privatisierung nicht mit den bayerischen Gehältern mithalten können, wandert die Qualität (das Fachpersonal) ab. Ein schönes Hotel wie das Pawlik nützt wenig, wenn nicht genügend Therapeuten für die Anwendungen da sind.
In folgenden Beitrag gehe ich auf die Besitzverhältnisse ein
