Stille der Kur und kreative Unruhe

Stille der Kur und kreative Unruhe

Manchmal muss man einer erst das Schweizer Hamsterrad verlassen, um zu merken, wie sehr man eigentlich unter Strom steht. Ich sitze hier im beschaulichen Franzensbad. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Gestern noch die hektische Taktung des Alltags, heute das sanfte Gelb der Empire-Fassaden und das Versprechen von absoluter Sorgefreiheit.

Das „Rundum-Sorglos-Paket“ als mentaler Türöffner

Vollpension. Ein Wort, das in meinen Ohren wie Musik klingt. Oder zumindest wie die Pause zwischen zwei Sätzen. Nicht mehr einkaufen, nicht mehr kochen, kein Abwasch. Stattdessen: Behandlungen, Moorpackungen, Heilwasser.

Man könnte meinen, das Ziel sei das pure Nichtstun. Doch wer eine Leidenschaft in sich trägt, merkt bald: Wenn der Körper zur Ruhe kommt, fängt der Geist erst richtig an zu arbeiten: Die Website, die Musik und die Sprachbarriere

Eigentlich beabsichtigte ich, mich hier oben in Westböhmen auf das Peaceland Konzert in Berlin vorzubereiten und Lieder zu schreiben. Die Gitarre steht bereit. Doch stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich Stunde um Stunde an der Website zu Franzensbad feile. – Es ist ein seltsames Paradoxon: Ich suche Anerkennung für das, was ich tue. Doch hier in Franzensbad prallen Welten aufeinander.

Für meine Website Franzensbad.ch und meine Aktivitäten, dafür fehlt hier das Interesse. Ich merkte das schon während der Vorbereitung und Buchung. Ich finde hier im Kurhotel nur schwer Zuhörer. Es wird tschechisch gesprochen, während meine Lieder auf Deutsch sind.

Ich suche das Gespräch mit Touristikern, hoffe auf einen Funken Leidenschaft für neue Konzepte, auf Rückmeldungen zur Website, doch ich ernte nur desinteressierte Blicke. Einen «Entscheider» habe ich bisher nicht gefunden. Das Feuer, das man selbst in sich trägt, findet gerade wenig Nahrung.

Der Rebell in der Trinkhalle

Und doch lässt der Drang nicht nach. Manchmal möchte ich einfach raus, mir die Gitarre schnappen und in der Trinkhalle spielen. Pfeif auf die Bewilligungen. Wenn es kalt ist, spielt man eben, wo es warm ist. Bisher nur ein Gedanke. 

Stattdessen sitze ich meistens alleine im Hotelzimmer und halte die Ruhezeiten ein. Und ja – ich gehe täglich ins Thermalbad, meine Glieder rufen nach Besserung. 

Die Resonanz fehlt für mehr als das. Ich habe versucht, Zusagen für Auftritte in Cafés zu bekommen: Ausreden. Feedback zur Website? Fehlanzeige.

Energie durch Widerstand: Dranbleiben ist alles

Man könnte jetzt resignieren. Aber ich habe in diesen Tagen in Franzensbad etwas Wichtiges gelernt: Energie wird nicht nur durch Massagen gewonnen. Sie entsteht auch durch den inneren Antrieb, etwas zu schaffen, selbst wenn niemand klatscht.

Das hier ist kein Urlaub zum Abschalten, sondern eine Kur zum Umschalten. Ich nutze die gewonnene Zeit, die mir das Hotelteam durch seinen Service schenkt, um an meinen Projekten zu arbeiten.

Dabei lerne ich viel für mein zukünftiges Auftreten. Aus Niederlagen lernt man siegen. Franzensbad gibt mir die physische Kraft zurück. Ich denke, auch psychische Kraft entsteht durch Widerstand. Aber indem man eben ständig andere Taktiken überlegt werden.

Die Website wächst, die Lieder warten auf ihren Moment. Und wer weiß, vielleicht hört man mich demnächst doch noch irgendwo zwischen den Quellen spielen. Einfach so.
Die Gitarre schnalle ich mir immer gerne um.

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