Er ist klein, aus Bronze und trägt die Hoffnung tausender Frauen auf seinen Schultern (und seinem Fisch): Die Rede ist vom Franzl, dem inoffiziellen Wahrzeichen von Franzensbad.
Wenn man durch die Kolonnaden wandert, vorbei an der prachtvollen UNESCO-Architektur, stößt man unweigerlich auf einen kleinen Jungen, der nackt auf einer Kugel sitzt und einen Fisch in den Armen hält. Er wirkt unscheinbar, doch er ist der wohl meistfotografierte – und meistberührte – Bewohner der Stadt.
Ein Fisch, ein Wunsch und eine glänzende Stelle
Die Legende ist so simpel wie wirkungsvoll: Jede Frau, die den Franzl berührt (speziell seinen großen Zeh oder den Fisch), wird bald darauf schwanger. Ob man nun an die magische Kraft des schwarzen Goldes (unseres Moors) glaubt oder an die Legende des Franzls – die bronzene Statue ist an gewissen Stellen so blank poliert, dass man die „frohen Berührungen“ der Besucherinnen schon von weitem glitzern sieht.
Wer hat’s erfunden? (Diesmal nicht die Schweizer!)
Das Kunstwerk, das heute so viel Hoffnung spendet, wurde 1923 vom einheimischen Bildhauer Adolf Mayerl geschaffen. Adolf Mayerl war ein Meisterschüler der Wiener Akademie. Das Urheberrecht ist mittlerweile verfallen, ich bin gespannt, wenn es schönere Souvenirs, z.B. aus Porzellan gibt.
Die Statue stand im Garten am Kurhaus Esplanade. Erst später (nach dem Jahr 1945) wurde sie auf den Platz vor dem Casino verschoben.
Ursprünglich war die Figur gar nicht als Fruchtbarkeitssymbol gedacht, sondern als Allegorie auf die Quellen und das Leben. Der Fisch in seinen Armen symbolisiert das Element Wasser und die Fruchtbarkeit der Natur. Doch die Kurgäste machten aus der Allegorie schnell eine lebendige Tradition.
Winterschutz für den Franzl
Franzensbad mag im Winter manchmal verschlafen wirken, aber um seinen Franzl kümmert man sich rührend. Wenn die böhmischen Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, wird die Statue traditionell eingepackt. Manchmal bekommt er sogar einen kleinen Schal oder eine Mütze von liebevollen Bürgern verpasst. Es ist ein rührender Anblick, der zeigt: Trotz aller Trägheit im Kuralltag – ihren Franzl lassen die Franzensbader nicht im Stich.
