Franzensbad – Tiefschlaf im Olymp

Franzensbad – Tiefschlaf im Olymp

Von Baden (CH) über Baden (AT) nach Franzensbad: Eine persönliche Spurensuche zwischen Glanz, Engagement und böhmischer Trägheit.

Ich lebe in Baden in der Schweiz. Bei uns regiert die Effizienz, die Thermen haben eine römische Tradition, aber das Stadtbild wird heute von globalen Konzernen und moderner Industrie geprägt. Vielleicht ist das der Grund, warum mein Wohnort auf der exklusiven UNESCO-Liste der „Great Spa Towns of Europe“ fehlt.

Ganz anders Franzensbad. Es hat den „Ritterschlag“ erhalten. Doch wer die Stadt heute besucht, spürt schnell: Die Schönheit ist da, aber der Puls ist verdammt niedrig. Was könnte sich ändern? Wer hat dafür gesorgt, Franzensbad in den Olymp zuheben. 

Der „Orchesterleiter“ zeigt, wie es geht


Bei einer Pressereise habe ich Baden bei Wien besucht. Ein tolles Programm, grosszügige Gastgeber und viel Zeit, um alles zu erörtern. Die Erlebnisse habe ich auf  Baden.reisen dokumentiert. 

Die Österreicher hatten bei der UNESCO-Nominierung den „Lead“ inne. Dort ist das Welterbe keine Urkunde im Rathauskeller, sondern gelebter Stolz. Der dortige Tourismusdirektor sprüht vor Energie – man merkt, dass dort Menschen am Werk sind, die ihre Stadt aktiv in die Zukunft peitschen.

Elf Städte aus sieben Ländern mussten koordiniert werden, ein diplomatischer Kraftakt, den Baden bei Wien mit Bravour und Leidenschaft in kurzer Zeit gemeistert hat.

Warum Franzensbad dabei ist

Obwohl Franzensbad heute oft verschlafen und träge wirkt, erfüllt es die strengen UNESCO-Kriterien wie kaum ein anderer Ort. Man könnte fast sagen: Gerade weil sich hier so wenig bewegt hat, ist das Erbe so rein geblieben

Fassen wir zusammen:

  • Die urbane Typologie: Franzensbad wurde auf dem Reißbrett entworfen. Jede Strasse, jeder Park dient der Heilung. Ein „Gesamtkunstwerk“, das mein Schweizer Baden durch seine industrielle Entwicklung (leider) eingebüsst hat.
  • Internationalität: Hier wurde früher Weltgeschichte geschrieben. 
  • Franzensbad war das „erste Moorbad der Welt“ – ein medizinisches Alleinstellungsmerkmal.
  • Therapeutische Landschaft: Die Kur endet nicht am Gebäude. Die riesigen Parkanlagen sind ein geschütztes Heilmittel an sich.

Die schlafende Schönheit wachküssen

Aber Hand aufs Herz: Wenn ich aus der Schweiz oder aus Österreich nach Franzensbad komme, wirkt der Ort oft, als hätte er eine Überdosis des eigenen Heilwassers getrunken – sehr beruhigend, aber fast schon im Tiefschlaf. Von Internationalität keine Spur, Fremdsprachen ein Fremdwort.

Und wenn ich der Tourismusinfo vorbeischaue, fehlt jede Begeisterung und der Tourist sollte nicht länger als 5 Minuten verweilen. Das erklärte aufgrund meiner Rückfragen der Leiter der Behörde.  

Wo ist das Engagement, das ich in Baden bei Wien erlebt habe.

Der Titel „Weltkulturerbe“ ist kein Ruhekissen. Es ist eine Verpflichtung. Franzensbad hat die Architektur, das Moor und das berühmte „Schönbrunner Gelb“. Allerdings braucht es noch viele Investitionen. Vielen Hotels könnte neues Leben eingehaucht werden. Das Casino wird immer noch nicht betrieben? Wer so wie ich in der Tourismusinfo behandelt wird, der verliert jeden Respekt und den Glauben, dass die Franzensbader was bewirken können.

Mein Fazit

Franzensbad ist kein Zufallsprodukt, sondern die Perfektion einer Idee. Aber Schönheit allein reicht im 21. Jahrhundert nicht mehr aus. Wir brauchen den Elan der Österreicher und vielleicht ein kleines bisschen Schweizer Macher-Mentalität, um aus der „trägen Schönheit“ wieder den strahlenden Mittelpunkt Europas zu machen, der wir laut UNESCO-Zertifikat eigentlich sind. Europa fördert Projekte, nur das Schild sehe ich schon drei Jahre

Es wird Zeit, dass Franzensbad aufwacht. Das Erbe ist Weltklasse – jetzt muss es nur noch so gelebt werden!

Die offizielle Webseite der „Great Spa Towns of Europe“


Das Ergebnis findet sich auf einer Website. Dort sind die 11 Kurstädte mit wunderbaren Einblicken vertreten.

www.greatspatownsofeurope.eu

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